Nachgeschärft:
Optisch wie technisch gründlich überarbeitet, präsentiert sich Hondas Fireblade CBR 1000 RR so konsequent wie nie zuvorMitten in der Wüste, auf dem Losail Circuit in Doha (Katar), gibt die Fireblade 2006 ihre Visitenkarte ab. Noch vor der ersten Fahrt haben sich die Grammfuchser der Honda-Entwicklungsabteilung alle Wertschätzung verdient: In emsiger Kleinarbeit wurden sämtliche Bauteile auf ihr Einsparpotenzial hin untersucht, was drei Kilo gegenüber der Vorgängerin erbrachte.
Das erscheint zwar nicht viel, wirkt sich im Fahrbetrieb aber wie mindestens zehn Kilo aus: So agil und leichtfüßig schneidet die Honda durch Kurvenkombinationen und die Schikane, biegt sauber ein und gehorcht wie ein Schoßhund aufs Wort. Dabei zieht sie ihre Bahn mit messerscharfer
Präzision und jener Stabilität, für die schon ihre Vorgängerin gerühmt wurde. Dafür bekam sie eine handlingfreundlichere Fahrwerks-Geometrie, größere Last auf das Vorderrad und klebrige, extra entwickelte Bridgestone BT-015-Pneus. Kräftig gewerkelt haben die Entwickler auch am Triebwerk, das seine 998 Kubik Hubraum mit einer effektiveren Verbrennung bei höherer Spitzendrehzahl verknüpft. Trotzdem entwickelt der Vierzylinder seine Kraft nach wie vor geschmeidig und harmonisch, so dass dem Euro-3-entgifteten Aggregat seine 172 PS zunächst nicht recht abgenommen werden. Zumal der elektronische Lenkungsdämpfer eventuelle Fahrwerksunruhen vorsorglich eliminiert.
Erst der Blick auf den Digital-Tacho am Ende der Geraden entlarvt die wahre Potenz dieses Kraftwerks: 286 km/h prangen dort und lösen den unwillkürlichen Brems-Reflex aus. Heftiger als je zuvor und dennoch stets kontrollierbar verzögert die Fireblade dann mit größeren Scheiben und radial montierten Festkolben-Sätteln im Vorderrad.
Deutlich handlicher und aggressiver hat sich die Fireblade vom supersportlichen Allrounder zum kompromissbereiten Supersportler gewandelt – glücklicherweise kaum weniger beherrschbar.